Vorwärts auf vier Buchstaben

ÖPNV, öffentlicher Personennahverkehr, das Mantra, wenn wir unsere verstopften Straßen umweltschonend frei bekommen wollen, die Aufforderung an die Mitbürger, sich seiner zu bedienen und das Auto stehen zu lassen. Gemeint sind immer die anderen. Ganz schön naiv und dennoch ist es ein großes Thema.

Schon jetzt ist der ÖPNV unterfinanziert. Bedingt durch die Pflicht zur europaweiten Ausschreibung treibt ein ruinöser Wettbewerb manches Busunternehmen an den Rand der Legalität oder in die Insolvenz.

So die übereinstimmende Aussage des Landkreistags und der Gewerkschaft Ver.di. Das hiesige Unternehmen erfüllt die Qualitätsansprüche hinsichtlich der Busflotte und der Qualifikation der Fahrer. Das hat seinen Preis. Zusätzlich zu den 550.000 Euro, die in die Kasse des Verkehrs-und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) fließen, deckt die Stadt das jährliche Defizit von 250.000 €, ein Klacks aus Sicht des VVS angesichts der 10 Millionen, die dieses Jahr die Stadt Stuttgart durch die Tarifreform belasten. Die wiederum kommt den Stuttgarter Fahrgästen zugut. Wer in Bönnigheim zusteigt, dürfte keinen zusätzlichen Anreiz verspüren den ÖPNV zu nutzen.

Attraktivität über Preis und Leistung: Das 365-Euro-Jahresticket hat im VVS wegen Mindereinnahmen von 146 Millionen keine Chance. Mit dem 125-Euro-Stadtticket sollte man nach Expertenmeinung warten, bis die Infrastruktur geschaffen ist. Dazu gehöre in Bietigheim neben einer aufwändigen Umrüstung der Busse auf Elektroantrieb eine verbesserte Anbindung entlegener Stadtteile und eine Verdichtung der Taktzeiten von 6 bis 20.30 Uhr auf durchgehend 15 Minuten. Stimme die Qualität, sei der Benutzer auch bereit, dafür zu bezahlen. Wer nach einer Abendveranstaltung im Kronenzentrum weiterhin eine halbe Stunde  auf den Bus warten muss, dürfte trotzdem dankend ablehnen.

Nur im Verbund mit anderen Maßnahmen, zu denen unser Ministerpräsident seit Neuestem wieder Verbote zählt, wird der ÖPNV die ihm zugedachten Aufgaben erfüllen. Hört man genau hin, dann vernimmt man überall anstelle der lauten Töne alsbald gedämpftes Murmeln. Nächsten Monat wird der Oberbürgermeister bei der Einbringung des Haushalts um einige klärende Worte nicht herumkommen. Daran, dass die Stadt Berlin nach wie vor auf Kosten hiesiger Steuerzahler Schüler kostenlos befördert, kann auch er nichts ändern.

Dr. Georg Mehrle
FDP-Fraktion

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