Rede zu Kindertagesstätten von Dr. G. Mehrle

(GR 16.5.17 Kita)

Wir debattieren über die Vorlage 54.1 Dem Kenner sagt dies, dass es auch eine Vorlage 54 gegeben haben muss. In der Tat liegt uns eine abgespeckte Fassung vor und das ist gut so, denn man gackert nicht über ungelegte Eier. Das umfangreiche Material ist gut aufbereitet. Ein Übriges tun die Grafiken und Analysen von biregio, die Realität und Planung nachvollziehbar machen. Stellenpläne, Personalgewinnung-und Bindung, Platzkapazitäten samt derzeitigem und künftigem Bedarf sind nachvollziehbar dargestellt. Beim Blick auf das, was es kostet, kommt man nicht umhin, sich früherer Zahlen zu erinnern. Sie spiegeln das politische Auf und Ab wider, das ich seit meinem Eintritt in den Gemeinderat im Jahr 1999 erlebt habe.

Die Zahlen lassen sich nur bedingt vergleichen, aber im ersten Haushalt, den ich damals mit beschloss, waren für die Kindergärten, so hießen die damals noch, 6,5 Millionen DM eingeplant. Sechs Jahre später betrug der Ansatz 3,9 Millionen €. Dann ging es zügig voran: Der Gesetzgeber verpflichtete die Kommunen zu weiter umfassenden Betreuungsangeboten, unterstütze sie aber auch in vermehrtem Umfang. Und Bietigheim legte zu. Kinderhäuser wurden errichtet, die Stellenplanung und die tarifliche Eingruppierung der Erzieherinnen standen vor politischen und ökonomischen Herausforderungen und tun es heute noch. Unser Ansatz 2017: 7,2 Millionen € und damit hat es noch lange kein Ende. Die Nachbargemeinde Ludwigsburg hat in diesem Zusammenhang die Grundsteuer erhöht, wovon bei uns noch nicht die Rede ist. Wir erwarten die Vorschläge für das, was die Verwaltung als maßvolle Gebührenerhöhung ankündigt. Sie werden sich zwischen Wunsch und Wirklichkeit einordnen, wie so manches andere, was Gegenstand diverser Auseinandersetzungen bis hin zum Streik gewesen ist und es wohl auch, wenn auch nicht in dieser Schärfe, immer sein wird.

Wir unterstützen alle Bemühungen, mit der wünschenswerten Weiterentwicklung der Kindertagesstätten Schritt zu halten, sehen aber keinen Grund, eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu beklagen. Was in den Kitas und den begleitenden Projekten geschieht, ist vorbildlich. Im Musical My Fair Lady äußert Henry Higgins: Die Sprache macht den Menschen, die Herkunft macht es nicht. Dass Sprache auch von der Herkunft abhängen kann, unterschlägt er. Für die intensive Sprachförderung im Kindergarten und die Kooperation Singen-Bewegen-Sprechen sind insgesamt 85.000 € nicht übertrieben und die musikalische Früherziehung ist eine logistische Meisterleistung unserer Jugendmusikschule.

Die Älteren unter Ihnen erinnern sich noch daran, was wir vor 10 Jahren beschlossen haben. Richtig: INFANS! Es ist ein stilles Jubiläum geworden. Nach turbulenten Anfangsjahren gelang es, diese hurtig sprudelnde Quelle in ein Qualitätshandbuch unter dem Etikett „Bietigheimer Weg“ zu fassen. Das Handbuch soll fortgeschrieben werden und auf sanften Druck des Gesetzgebers auch ein Beschwerdemanagement enthalten. Wohl denn und vielleicht bekommen wir irgendwann einmal sogar ein erstes Curriculum zu sehen, was ja unverzichtbarer Bestandteil der Infans-Pädagogik ist. Hauptsache, wir können singen: Morgen, Kinder, wird´s was geben, morgen werden wir uns freun!

FDP-Fraktion
Dr.Georg Mehrle

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